| EM 2006 |
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| Brettspiele - Deutsche Meisterschaft | |||
| Geschrieben von: Jürgen Kiedaisch | |||
Die Anonymen Spieler bei der Europameisterschaft im Brettspiel 2006Das Jahr 2006 war ein recht anstrengendes, weil erfolgreiches, Jahr für die Anonymen Spieler. Nachdem wir uns bei der Vorausscheidung im Februar mit einem dritten Platz für die Deutsche Meisterschaft im Mai qualifizieren konnten, führte der dort erreichte 5. Platz zur Teilnahmeberechtigung an der Europameisterschaft am 21. Oktober während der Spielmesse in Essen. Das bedeutete also für uns mal wieder Training, Training, Training ... zumindest theoretisch. Bastl musste seine Teilnahme gleich absagen, da er während der Messe aus beruflichen Gründen unabkömmlich ist. Also rückte Hirschi wieder ins Team. Mit dem Training begonnen wurde so um den Vereinsausflug herum, als dort das ein oder andere Turnierspiel beschnuppert wurde. In der Folge störten allerdings die Fußball-WM, der Sommer und zeitliche Probleme den Trainingsfluss ein wenig, so dass in der "Originalbesetzung" verhältnismäßig wenig trainiert wurde und dafür andere Trainingspartner (wie z.B. Udo, Chris, Martina) herhalten durften oder mussten. Besonders schlecht sah es in den Wochen unmittelbar vor dem Turnier aus: Der eine zog über mehrere Wochen um, der nächste kümmerte sich um den Hausbau, wieder einer versuchte sich in Renovierung von neuer und alter Bleibe und der letzte verzog sich für drei Wochen in den Urlaub. Man könnte behaupten, daß wir schon besser vorbereitet in ein Turnier gegangen sind. Und dabei sind drei der vier Spiele nach überwiegender Meinung sogar ziemlich gut. Drei von uns reisten bereits am Mittwochnachmittag Richtung Essen an, Winni folgte einen Tag später. Die Abende konnten immerhin für zwei Trainingsspiele genutzt werden, was Mike aber nicht zufrieden stellte und er das Schlimmste befürchtete. Wir anderen sahen das ein wenig lockerer, da wir von früheren Zeiten glaubten, das Niveau einer EM eher einschätzen zu können. Früher war es so, dass sich viele Teams gar nicht qualifizieren mussten, weil es in ihrem Land keine Konkurrenz gab. Dementsprechend lagen die deutschen (und die englischen) Teams meist weit vorne. Das hat sich inzwischen ein Stück weit geändert, wie wir am nächsten Tag erfuhren, in den meisten Ländern gibt es inzwischen Qualifizierungsrunden, wenn auch keine zwei wie bei uns. Am Samstag kamen wir wieder etwas spät von unserer Unterkunft los, die S-Bahn fuhr uns vor der Nase weg und so kamen wir erst gegen 10 Uhr am Hauptbahnhof an. Da die Anmeldung bis 10.20 Uhr zu erfolgen hatte, schockte uns der Anblick des U-Bahnsteigs ziemlich. Menschenmassen ohne Ende - wie sollte man da rechtzeitig zur Messe kommen? Also kurzentschlossen ins Taxi gesprungen (zur Freude von Mike eine E-Klasse - der Fahrer konnte aber offensichtlich das Auto nur unzureichend bedienen, da er die Klimaanlage nicht einschalten konnte oder wollte) und in den Verkehr gestürzt. So kamen wir noch rechtzeitig an, aber auch Udo, unser Ersatzspieler, den wir bei der U-Bahn zurücklassen mussten, schaffte es grad so noch, in die nächste Bahn zu kommen und pünktlich zu sein. Wie sich dann herausstellte, war ein italienisches Team nicht erschienen, und die Veranstalter suchten dringend nach Ersatz. Zum Glück fanden sie vier Ersatzspieler (zwei Deutsche, ein Engländer und ein Holländer) - so kam Udo zu seinem ersten Turniereinsatz, und das gleich bei einer EM! So starteten 28 Teams in das Turnier. Das erste Spiel war zugleich das - gleichermaßen bei allen Mannschaften - unbeliebteste der vier Turnierspiele: Baron. Der Ansatz und die Grundidee sind ja nicht schlecht, aber Umsetzung bzw. Spielgefühl sind irgendwie unbefriedigend. Da spielen verschiedene Faktoren hinein, für mich am "schlimmsten" ist der Einfluss der Mitspieler auf die eigenen Pläne, die - bewusst oder unbewusst - alles zunichte machen können oder den Konkurrenten helfen. Für ein Turnierspiel ist es insgesamt recht unwägbar, aber immerhin war es für mich bei der EM zum erstenmal spannend, weil ich in der Vorbereitung nie den Hauch einer Chance hatte. Die ersten drei Plätze lagen auch nur drei Punkte auseinander, aber leider reichte es bei mir nur zum dritten Platz. Letztlich war ich aber zufrieden, insgeheim hatte ich ja mit dem letzten Platz gerechnet. Nicht wirklich viel besser lief es bei Winni und Hirschi, die es mir mit der Plazierung nachmachten. Nur Mike konnte auftrumpfen und sich den Sieg sichern. Damit hatten wir genau 11 Punkte, also exakt den Durchschnitt erreicht. Das konnte ja noch besser werden ... Ohne große Pause ging es dann weiter zum nächsten Spiel, Mesopotamien, bei dem ich zu meinem Leidwesen Startspieler war. Da in der ersten Runde die Anzahl der Aktionspunkte von der Startposition abhängt, ist gerade der Startspieler mit der Wahl seiner eingeschränkten Möglichkeiten in der Zwickmühle. Ich versuchte, ein wenig unkonventionell zu spielen, was mir auch gelang. Zwischendurch sah ich mich schon hinterherfahren, nachdem die anderen teilweise drei Hütten auf einen Schlag bauten und ich meine Hütten als letztes errichten konnte. Aber plötzlich sah ich, dass ich - in Kombination mit meinen Aktionskarten - gewinnen konnte, was mich schon ein wenig überraschte. Aber letztlich verdankte ich den Sieg dem regelmäßigen Mana-Gewinn (jede Runde 2), was die anderen Spieler nicht so konsequent durchgezogen hatten. Auch bei Mike lief es ziemlich gut, er konnte einen zweiten Platz erreichen. Hirschi und Winni hielten sich an ihren dritten Plätzen, und so steigerten wir uns tatsächlich leicht auf 12 Punkte. Udo musste hier die Stärke der anderen anerkennen und kam auf den letzten Platz. Es folgte eine ca. halbstündige Mittagspause (je nachdem, wann man mit Mesopotamien fertig wurde), bei dem erstmal Erfahrungsaustausch und Nahrungsaufnahme betrieben wurde. Dann folgte Augsburg 1520, das Versteigerungsspiel, das im Laufe der Zeit bei uns an Beliebtheit gewinnen konnte. Hirschi mit seiner Hasardeurstrategie (erstmal Siegpunkte sammeln, dann schauen, wie ich zu einer Kirche komme, um über die Schwelle von 25 Punkten zu kommen), schien alle an seinem Tisch erstaunt zu haben. Aber er konnte es ziemlich konsequent durchziehen und sich damit den zweiten Platz sichern. Bei mir am Tisch lief es eher konventionell ab, dafür aber nicht minder spannend. Ein Holländer konnte sich durch etliche gewonnene Versteigerungen in der zweiten Runde absetzen, während ich bis dahin nur eine gewinnen konnte. Durch folgendes Kartenglück und Konzentration auf wenige Farben konnte ich mich aber wieder heranarbeiten und schließlich in der letzen Runde den ersten Dom erwerben. Damit war ich nicht einzuholen und siegte recht deutlich. Der Holländer schaffte es schließlich als einziger nicht, einen Dom zu kaufen und wurde damit sogar noch Letzter - er war selber am meisten überrascht. Überhaupt war das wohl "unser" Spiel, denn auch Mike siegte souverän, und Winni steigerte sich wie Hirschi auf einen zweiten Platz. Damit standen stolze 16 Punkte auf dem Habenkonto und somit insgesamt sechs über Schnitt. Das sah ja ganz gut aus. Und auch Udo reihte sich gut ein, denn auch er konnte an seinem Tisch gewinnen - das Training mit uns hatte also abgefärbt. Den Schluss bildete Caylus, das anspruchsvollste Spiel, das kurz zuvor auch den Deutschen Spielepreis gewinnen konnte. Wir kannten es ja bereits von der Deutschen Meisterschaft. Leider lief es hier nicht so gut wie gewünscht. Wie schon bei der Deutschen Meisterschaft musste ich mich mit zwei Punkten Rückstand mit den dritten Platz begnügen, Mike schaffte einen zweiten, Winni einen geteilten zweiten und Hirschi seinen 3. dritten Platz. Das war mit 9,5 Punkten unterdurchschnittlich und etwas enttäuschend. Insgesamt erreichten wir damit 48,5 Punkte. Das war zwar nicht schlecht, aber das Ziel, eine einstellige Plazierung, war damit kaum zu schaffen. Udo kam bei Caylus auf den dritten Platz und wäre mit seiner Punktzahl drittbester in unserem Team gewesen ... Der ambitionierte Zeitplan wurde fast eingehalten und bei der Siegerehrung wurden, entgegen sonstiger Gepflogenheiten bei deutschen Turnieren, nicht alle Teams genannt, sondern nur die besten 5. Die siegreichen Teams kommen aus England (Platz 1 + 2) und Deutschland (Platz 3 - 5). Wir erreichten schließlich den 11. Platz. Udos zusammengewürfeltes Ersatzspielerteam landete mit 35,5 Punkten auf Rang 22. Insgesamt war es wieder sehr interessant, auf internationaler Ebene zu spielen. Das Niveau ist in den letzten Jahren offensichtlich gestiegen, das Interesse im Ausland an Spielen und Turnieren gewachsen. Die Atmosphäre war ziemlich entspannt, alles lief sehr fair ab und man konnte sich gut in Englisch verständigen. Nachholbedarf besteht allerdings noch beim Anteil weiblicher Spieler. Zwar spielte ich gegen sechs verschiedene Nationalitäten, aber alles nur Männer. Die wenigen mitspielenden Frauen waren überwiegend deutsche Teilnehmerinnen (und gegen Deutsche spielten wir nicht). Da wird sich sicherlich noch in den nächsten Jahren etwas ändern, auch in Deutschland hat das gedauert. Teilgenommen haben insgesamt 28 Teams, davon 5 deutsche. Insgesamt waren Mannschaften aus 10 verschiedenen Nationen dabei (UK, Frankreich, Italien, Belgien, Holland, Schweiz, Tschechien, Ungarn, Irland und Deutschland). Nun folgt wieder der "Alltag" einer Vorausscheidung, die Ende Februar ansteht, mit folgenden Spielen: Alhambra, Puerto Rico, Bohnanza, Finstere Flure. Und diesmal wird es zwei RSCT-Teams geben ... vier weitere RSCT-Mitglieder haben sich spontan zur Mannschaft "Just 4 Fun" zusammen geschlossen.
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