Take it to the Limit PDF Drucken E-Mail
Brettspiele - Spielerezensionen
Geschrieben von: Jürgen Kiedaisch   
Take It Easy dürfte vielen bekannt sein, hat es sich in den Jahren seit Erscheinen 1993 doch zu einer Art Klassiker entwickelt. Und das dürfte u. a. damit zu tun haben, dass es kein aufgedrücktes, vergängliches Thema besitzt, sondern absolut schlicht und abstrakt daherkommt. Und natürlich, dass es ein gutes Spiel ist. Take it to the Limit ist der etwas tückischere Nachfolger. 

Zur Erinnerung zu Take It Easy: Jeder erhält 27 sechseckige Plättchen, auf denen in drei Richtungen Linien aufgemalt sind. Diese Linien haben Zahlen von 1 – 9. Ziel ist es, die sechseckigen Felder auf seinem eigenen Ablageplan so geschickt abzulegen, dass durchgehende Linien mit den gleichen Zahlen entstehen. Nur solche Linien bringen am Ende Punkte (Anzahl Felder multipliziert mit der Zahl). Von den 27 Plättchen werden aber nur 19 abgelegt, wann weiß also nicht, welche ins Spiel kommen und welche nicht. Bei jedem Zug muss man daher überlegen, wohin das aktuelle Plättchen zu legen ist und ob man ggf. eine Linie „zerstört“ – früher oder später muss man sowieso manche Planungen über den Haufen schmeißen. Auch sehr interessant ist es, dass die Spieler identische Plättchen verwenden: Ein Spieler zieht zufällig, die anderen nehmen sich das gleiche von ihrem Stapel. Theoretisch könnten somit alle das gleiche Muster legen, oft wird aber schon das erste Plättchen anders abgelegt und Spickeln bei den Mitspielern macht sowieso keinen Sinn.
Takt it to the Limit SpieleschachtelSoweit zu Take It Easy. Das Spiel erschien damals bei FX Schmid für 4 Spieler, später dann nach der Übernahme durch Ravensburger bei diesem Verlag. Zwischendurch gab es auch eine XL-Ausgabe für 6 Spieler. Nun erschien es dem Autor, dem Engländer Peter Burley, offensichtlich an der Zeit, das Spiel abzuändern und neu – diesmal im Eigenverlag – als Take It To The Limit herauszubringen. Was hat sich gegenüber dem Original geändert?

Zunächst fällt die deutlich höhere Anzahl an Plättchen auf. Nun gibt es pro Richtung 4 verschiedene Zahlen, also von 1 bis 12. Um alle möglichen Kombinationen darzustellen, braucht man nun 64 (statt 27) Plättchen. Die passen natürlich niemals auf das alte Brett, deshalb gibt es nun zwei neue Spielpläne, genannt Nexus und Orchidee. Und zu den beiden Spielplänen gibt es auch zwei unterschiedliche „Spiele“, oder eher Varianten.

Das Nexusbrett ist wie das Originalbrett, nur deutlich größer, es hat nämlich 37 Felder. Die Ablage erfolgt wie früher. Besonderheit ist der „Schrottplatz“, ein eigener kleiner Ablageplan mit 7 Feldern, auf dem – der Name deutet es bereits an – die Plättchen abgelegt werden können, die man nun gar nicht brauchen kann. Insgesamt kommen also 44 Plättchen ins Spiel. Doch ganz bedenkenlos sollte man den Schrottplatz nicht nutzen, denn kommt man dort nicht auf wenigstens 60 Punkte, bekommt man von seinen Punkten des Hauptbrettes einfach 60 abgezogen. Eine ebenso wichtige Neuerung betrifft sogenannte Bonusplättchen, die mit einer 40 oder 80 markiert sind. Diese Sonderpunkte gibt es dann, wenn alle drei Linien, die durch dieses Feld gehen, am Spielende komplett sind. Sind wenigstens zwei noch brauchbar, gibt es immerhin die Hälfte. Da diese Boni auf den eher unattraktiven Feldern (z. B. der 1, 2, 3) zu finden sind, werden die niedrigen Zahlen aufgewertet, was auch auf jeden Fall Sinn macht.

Eher nebensächlich sind die Sonnen- und Mondsymbole, vom dem auf jedem Plättchen eines zu finden ist. Am Ende bekommt man nämlich für seinen längsten durchgehenden Sonnen- oder Mondstrahl Sonderpunkte, 10 pro Feld. Dies sind aber eher Peanuts, zumal man darauf auch kaum spielen kann.

Gegenüber Take It Easy zieht man bei Nexus mehr als doppelt so viele Plättchen, dementsprechend lange dauert eine Partie durchaus so 30-40 Minuten. Das ist verhältnismäßig lange und eine übermäßige Verbesserung gegenüber dem Originalspiel kann man nicht unbedingt feststellen. Trotzdem hat es seinen eigenen Reiz, denn die längste Reihe kann sieben Felder lang werden, was richtig Punke einbringen kann.

Take it to the Limit SpielplanDie Krönung ist aber ohnehin der Orchideen-Ablageplan. Man sieht an der nebenstehenden Abbildung die Form, die unregelmäßig ist. Hier werden wieder nur 25 Plättchen gezogen, deshalb spielt man auch nur mit der Hälfte der Plättchen (hier nimmt man entweder die Mond- oder Sonnenfelder). Besonders reizvoll wird das Spiel dadurch, dass jedes Feld ganz unterschiedliche Qualitäten je nach Richtung hat. Besteht die längste Linie in einer Richtung nur aus zwei Feldern, so geht es in die andere Richtung gleich sechs Felder weit. Das erfordert bei der Ablage ganz andere Überlegungen. Schließlich kommen die Orchideenfelder dazu. Drei Plättchen kann man, ähnlich wie bei Nexus, außen hinlegen, hier muss man aber auf keine Mindestpunktzahl kommen. Allerdings kann man sie am Ende wieder auf die drei mit Orchideen markierte Felder legen und damit Teil des ausgelegten Musters werden lassen. Das wird man natürlich nur machen, wenn ein effektiver Punktegewinn dabei herausspringt. Um für die drei außenliegenden Reihen mit dem Orchideenfeld Punkte zu erhalten, müssen alle vier Felder übereinstimmen, auch wenn eine Lücke offen bleibt.

Ganz gut passen hier die Bonusplättchen, weil man oft in wenigstens einer Richtung (mit zwei Feldern Länge) eine komplette Linie hat. Da steigt der Ehrgeiz, auch eine zweite oder gar dritte Reihe fertig zu bekommen.

Eine Partie geht hier deutlich schneller und es tritt der übliche Take It Easy-Effekt auf: Man will gleich noch eine anschließen, um es bei der nächsten besser zu machen. Das Orchideenbrett ist das stärkere der beiden und ist auch gegenüber dem Originalspiel die originellere Weiterentwicklung.

Wie fällt nun das Urteil insgesamt aus? Als alter Take It Easy-Fan war es für mich sofort klar, dass ich das neue Spiel haben muss. Mancher wundert sich vielleicht, denn lohnt sich die Investition?

Ich sage ja, denn das Urprinzip ist erhalten geblieben, trotzdem sind genügend Neuerungen dabei, so dass man zukünftig wohl kaum auf das alte Spiel zurückgreifen wird. Weiterer Pluspunkt: Es ist das Material für 6 Spieler enthalten und die Qualität überzeugt voll und ganz (insbesondere für einen Kleinverlag). Aus meiner Erfahrung ist Take It Easy ein Spiel, mit dem man auch problemlos Nicht- oder Wenigspieler begeistern kann. Die Einstiegshürde wird mit Take it to the Limit zwar etwas erhöht, aber dennoch lassen sich hiermit Mitspieler finden, die eine Partie nach der anderen spielen wollen. Wenn jemand noch kein Take It Easy besitzt, hier kann er zuschlagen. Und alle, die es bereits haben, müssen selbst entscheiden. Auf der Messe habe ich es vom Autor für 24 € gekauft. Inzwischen wird man wohl so 30 € hinlegen müssen, angesichts des vielen Materials und des Spielwerts ein gerechtfertigter Preis.

Kurzinfo

  • Kurzweiliges Puzzlespiel für Einzelkämpfer
  • Spielerzahl: 1-6
  • Spieldauer: 20-45 min
  • Bewertung (von --- bis +++): ++
  • Preislage: 30.-

Links

Offizielle Seite des Verlags